14.03.2019: Autorenlesung "Jahrhundertzeugen" Helden ohne Hass

Helden ohne Hass - Bewegender Abend im ehemaligen Parteiheim der NSDAP

 

"Ich werde Sie nicht langweilen" verspricht Tim Pröse vorab. In der Baukelter in Weinsberg, dem ehemaligen Parteiheim der NSDAP, las er am Donnerstag, den 14. März aus seinem Buch "Jahrhundertzeugen". Ein voller Saal und doch eine intime Lesung. Die Kooperation zwischen der VHS Unterland, der Stadtbücherei Weinsberg und dem Justinus-Kerner-Gymnasium Weinsberg hat viele junge Gesichter in die Baukelter gelockt. Und die will der Autor erreichen, die spricht er an: "nicht wegen Hitler, sondern wegen der Helden, denen Ihr Eure Freiheit zu verdanken habt!"

 

Mit brüchiger Stimme erzählt er von seinen Gesprächen mit Inge Scholl, der Schwester von Hans und Sophie Scholl. Von der Atmosphäre auf dem Friedhof bei der Beisetzung der Geschwister Scholl, von dem Lorbeerkranz auf deren Grab. "Stellen Sie sich das vor! Ein Lorbeerkranz auf dem Grab von Verrätern. Was für ein Zeichen!" Er erzählt von Sophie Scholl, die sich hätte retten können, wenn sie sich von ihren Prinzipien und ihrem Bruder distanzieren hätte. Die auf ihrem letzten Gang zur Hinrichtung von der Mutter "Bredle" zugesteckt bekam. Im Angesicht des Todes tröstete sie ihre Mutter: "Ach Mutter, die paar Jährle, bis wir uns wiedersehen." Die jungen Leute, die nach ihnen kommen würden, die sollten aufgerüttelt werden, das war ihr Trost. Und das Publikum, jung wie alt, ist aufgerüttelt, bewegt und berührt.

 

18 Zeitzeugen hat Tim Pröse interviewt. Zum Beispiel den Soldaten Kurt Keller, der am D-Day gegen die Amerikaner kämpfte. Mit dem Autor kehrt er zum ersten Mal zurück in die Normandie und beschreibt das Unbeschreibliche. "Gott mit uns" stand auf der Schnalle seiner Wehrmachtsuniform. „Aber das war nur eine Lüge von Hitler.“ Er desertierte. Kaum ein Auge bleibt trocken bei den intensiven Schilderungen des Autors.

Auf die Frage, warum Sie nicht zurück gehasst haben, antworteten fast alle, die der Autor befragte und begleitete, so oder ähnlich: "Wenn wir zurück hassen würden, hätte Hitler doch noch gewonnen." Dies macht das Buch und den Abend zu einem Aufruf gegen den Hass: "Lasst euch nicht vom Hass anderer instrumentalisieren!" Als er das Buch schrieb, wusste er nicht, dass das Thema so aktuell werden würde. Und auch, wenn die Zeitzeugen sorgenvoll in die Zukunft blicken, können die Helden von damals auch in unserer Zeit Vorbilder sein.

 

Ob er etwas fürs Leben gelernt habe, möchte eine Schülerin wissen. Das hat er. Erinnern ist wichtig und es ist keine Frage der Schuld: „Ihr müsst euch nicht schuldig fühlen!“

 

Gut, dass Herr Pröse kein Latinum hatte und daher Autor werden musste, statt Geschichtslehrer. Das Buch und die Auswahl der interviewten Menschen war Herzenssache ¬ und das merkt man.

 

 
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