24.10.2018: Ausstellungseröffnung „Freiheit und ich“

Was heißt Freiheit eigentlich? Können Gesetze Freiheit wirklich regeln? Hat Freiheit auch Grenzen? Mit diesen und anderen Fragen befasst sich die Ausstellung der Nemetschek-Stiftung „Freiheit und ich“, die am Mittwoch, 24.10. im Bad Rappenauer Rathaus eröffnet wurde.

Das Grußwort sprach Oberbürgermeister Sebastian Frei. Der Jurist und frühere Richter betonte, dass es sich bei den Freiheitsrechten aus dem Grundgesetz um Abwehrrechte der Bürger/innen gegen den Staat handelt. Geschaffen kurz nach den schrecklichen Erfahrungen des NS-Regimes, sichern sie dem Einzelnen Schutz vor willkürlicher Einschränkung seiner Rechte.

An einem anschaulichen Beispiel machte OB Frei aber auch deutlich, welche Spannungsverhältnisse und Grenzen sich auftun und dass manchmal auch das Verhältnis zwischen Bürgern betroffen ist: das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (Art. 2 Grundgesetz) etwa geht nicht soweit, dass man das Auto seines Nachbarn demolieren darf. Denn laut Art. 14 Grundgesetz gilt: Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Die einzelnen Rechte müssen also im Konfliktfall gegeneinander abgewogen werden.

VHS-Direktorin Loana Huth stellte das Ausstellungskonzept vor: An 5 Stationen können sich die Besucher/innen mit den unterschiedlichen Aspekten von Freiheit auseinandersetzen, den Wert der Freiheitsrechte erfahren, sich in Dilemma-Situationen aus dem Alltag entscheiden, und dabei die eigene Haltung reflektieren. Die Ausstellung lädt ein, sich an einer Debatte über die Freiheitsrechte zu beteiligen, die heute in Deutschland, aber auch weltweit, so brisant ist wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dabei ist die Ausstellung bewusst niederschwellig und interaktiv gestaltet.

Persönliche Einblicke, was für sie Freiheit bedeutet, gaben 3 Mädchen (10, 11 und 12 Jahre alt), die aus ihrer Heimat (Irak bzw. Afghanistan) geflüchtet sind. Für sie ist Freiheit, in die Schule gehen zu können, kurze Hosen tragen zu dürfen, Jungs als Freunde haben zu dürfen, schwimmen lernen und ins Freibad gehen zu dürfen – und ein Mädchen fügte kichernd hinzu: „Freiheit bedeutet für mich auch, selbst aussuchen zu dürfen, wann und wen ich heirate.“

Politologe Jürgen Lutz blickte bei seinem Vortrag auf das Jahr 1989 zurück, in dem Menschen für ihre Freiheit ihr Leben riskierten. Anhand konkreter Beispiele ging er näher auf die im Grundgesetz manifestierten Freiheitsrechte ein:

  • Art. 2 Freie Entfaltung der Persönlichkeit,
  • Art. 4 Glaubens- und Gewissensfreiheit,
  • Art. 5 Meinungsfreiheit,
  • Art. 8 Versammlungsfreiheit,
  • Art. 9 Vereinigungsfreiheit,
  • Art. 11 Freizügigkeit,
  • Art. 12 Berufsfreiheit.

Abschließend folgte ein reger Austausch über die Freiheit und deren Grenzen, die oft genug auch durch gesellschaftliche Konventionen bedingt sind. Und ein Besucher formulierte bewusst provokant den Satz: Keine Freiheit den Feinden der Freiheit! Steht dies im Gegensatz zur Aussage „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzten, dass du es sagen darfst“ von Voltaire? Diskussionsstoff gibt es genug…

Die Ausstellung ist noch bis zum 30.11. im Bad Rappenauer Rathaus zu sehen. Eine Kooperation der VHS Unterland in Bad Rappenau, der Stadt Bad Rappenau und der Flüchtlingsbeauftragten der Stadt

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Foto: Nemetschek-Stiftung

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