11.04.2016: Romanfigur mit einem eigenen Kopf und Mietschulden

Wolfgang Schorlau las am 11. April im vollen Bürgersaal des Brackenheimer Rathauses aus seinem neuesten Roman "Die schützende Hand".

Bevor der 63-jährige Stuttgarter seinen aufwändig recherchierten Roman schreiben konnte, musste er zuerst ein Hindernis überwinden: Mit einem Augenzwinkern erzählt er, dass seine Beziehung zu seiner Romanfigur, dem Privatermittler Georg Dengler, in einer Krise gewesen sei. Kein Wunder, denn Dengler schwimmt nicht gerade im Geld und Schorlau gibt zu, dass er es ihm auch nicht einfach machen will. Denn schließlich liebt das Publikum den Protagonisten, der stets knapp bei Kasse ist.
Also brauchte er einen Anreiz für den abgebrannten Detektiv: Per Post erhält Dengler 15.000 Euro von einem mysteriösen Auftraggeber. Ein Drittel der Summe nutzt Dengler sofort, um seine Mietschulden zu zahlen. So hat er keine große Wahl und nimmt den Auftrag an: Er soll herausfinden, wie die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ums Leben kamen. Einfach verdientes Geld, denkt Dengler zunächst, doch bei der Recherche stößt er immer wieder auf Ungereimtheiten, die mit der offiziellen Version der Behörden überhaupt nicht zusammenpassen wollen.


Wolfgang Schorlau im Brackenheimer Bürgersaal

Der Schriftsteller zieht das Publikum in seinen Bann, als er seinen Ermittler über diese Ungereimtheiten grübeln lässt. Keine Schmauchspuren an den Händen und die Tatsache, dass die Art des Kopfschusses bei den Toten äußerst unschöne Rückstände an der Wand des Wohnmobils hätte hinterlassen müssen, lassen für Dengler nur einen Schluss zu: „Dort drin sind die beiden nicht gestorben.“ Ebenso kommen Zweifel daran auf, dass Michèle Kiesewetter ein Zufallsopfer der Zwickauer Terrorzelle gewesen sei und dass das Trio isoliert gehandelt habe. Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz in der Angelegenheit? Und wie sind die Terroristen tatsächlich ums Leben gekommen?

Ein spannender Abend, der viele Fragen aufwirft und die Zuhörer zum Nachdenken bringt. Auf eine Frage aus dem Publikum im Hinblick auf die aktuelle Diskussion zum Thema Meinungsfreiheit sagt Schorlau: "Ich bin sehr dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem ich solche Bücher schreiben kann."

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