20.08.2013: Direktor des VHS-Verbandes BW über Volkshochschulen und Sportvereine

„Volkshochschulen ermöglichen Bildung, Sportvereine ermöglichen Sport.“
Interview mit Dr. Hermann Huba, Direktor des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg

Sportvereine und Sportverbände treten zunehmend als Bildungs-anbieter auf. Erwächst den Volkshochschulen dadurch eine neue Konkurrenz?

Nein, dadurch nicht. Zum einen ist die gesetzliche Regelung eindeutig: Volkshochschulen sind Einrichtungen der Weiterbildung, Sportvereine und Sportverbände sind das ausdrücklich nicht (§ 4 Abs. 2 der Durchführungsverordnung zum Weiterbildungsgesetz). Zum anderen sehe ich in dieser Selbsteinschätzung der Sportvereine als Bildungsanbieter nicht eine inhaltliche Positionsbestimmung, sondern lediglich eine Marketingstrategie. Sie soll den Kontakt zu den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen herstellen, um neue, junge Mitglieder zu gewinnen.

Die Aufgabe der Sportvereine ist es, sportliche Betätigung bis hin zum Leistungssport zu ermöglichen. Wer sich für Gesundheitsbildung interessiert, muss zu den Volkshochschulen kommen. Dabei ist Gesundheitsbildung die theoretische und praktische Beschäftigung mit der Frage, was Gesundheit ist, wie man sie erhält und wie man eigenverantwortlich zu einem Lebensstil findet, der in einer die ganze Person erfassenden Weise als „gesund“ zu bezeichnen ist. Kurz gesagt: Volkshochschulen ermöglichen Bildung, Sportvereine ermöglichen Sport. – Übrigens neigen Frauen deutlich mehr der Gesundheitsbildung zu, während sich Männer eher in Richtung Sportvereine orientieren.

Was kennzeichnet das Verhältnis zwischen Volkshochschulen und Sportvereinen am besten, das Stichwort „Konkurrenz“ oder das Stichwort „Kooperation“?

Ganz überwiegend ist das Verhältnis der Volkshochschulen zu den örtlichen Sportvereinen erfreulicherweise ein störungsfreies. In zahlreichen Fällen haben sich im ganzen Land erfolgreiche örtliche Kooperationen entwickelt, zum Teil über Jahrzehnte. Erfolgreich ist eine Kooperation, wenn die Zusammenarbeit beiden Partnern und vor allem der Bevölkerung nutzt.

In einigen Fällen herrscht auch Konkurrenz, geordnete Konkurrenz, gegen die selbstverständlich nichts einzuwenden ist. Selten gibt es aggressive Konkurrenz, die darauf zielt, die Volkshochschulen aus dem Marktsegment zu verdrängen. Aber so weit kommt es praktisch nie. Denn der Landessportverband und der Volkshochschulverband haben sich in Vereinbarungen (von 1985 und 1994) auf gütliche Regelungen von örtlichen Differenzen verpflichtet und eine in diesem Sinne erfolgreich arbeitende Clearingstelle eingerichtet, die jederzeit von jeder Volkshochschule und jedem Sportverein angerufen werden kann.

Also eitel Sonnenschein zwischen den Volkshochschulen und den Sportvereinen?

Na ja, das Klima ist jedenfalls ganz überwiegend heiter. Im Übrigen spricht ja nichts gegen geordnete Konkurrenz: Sie belebt das Geschäft, steigert also die Qualität der Angebote für die Bevölkerung. Deshalb stellen sich die Volkshochschulen dem Wettbewerb jederzeit und gerne. Und für den Sport ist Wettbewerb ja das Grund- und Lebensprinzip schlechthin.

Wer erhält eigentlich mehr öffentliche Förderung?

Natürlich der Sport. Rechnet man auf seiner Seite die Wettmittel hinzu, verfügt er über das Zigfache an öffentlicher Förderung gegenüber den Volkshochschulen. Davon fließt freilich ein Großteil in den Spitzensport. Dem gegenüber sehen sich die Volkshochschulen der Breitenbildung verpflichtet, also der Bildung der Allgemeinheit.


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